Beitragsbild Spanier sind wie Chattie

Warum Spanier mich an „Chattie“ erinnern

und warum sie trotzdem den unschlagbar menschlichen Vorteil haben

Eine persönliche Beobachtung über Kultur, Kommunikation und Menschlichkeit

Meine KI-Fortbildung war abgeschlossen, und vor uns lagen ein paar Wochen Auszeit in meiner alten – zweiten – Heimat Spanien.

Mit dem WoMo (Wohnmobil – für Nicht-WoMobilisten 😉) schon einige Zeit unterwegs, tief eingetaucht in den spanischen Alltag, kam mir irgendwo zwischen Murcia und Granada ein Gedanke, der zunächst etwas … sagen wir: ungewohnt klang.

Die Art, wie Spanier antworten, erinnerte mich an „Chattie“ (ChatGPT). Nicht technisch. Nicht im Sinne eines Vergleichs von Mensch und Maschine. Sondern in einer ganz bestimmten Beobachtung: Man wird selten ohne Antwort stehen gelassen.

Und genau hier wird es spannend – denn der Grund dafür könnte unterschiedlicher nicht sein.Antworten gibt es immer – nur aus völlig verschiedenen Gründen

Ein Beispiel:

Wir suchten eine Möglichkeit, eine spanische Gasflasche zu kaufen. Was wir bekamen, waren viele Antworten. Sehr viele.

Unterschiedlichste. Freundliche. Kreative. Zuversichtliche. Nur leider: Keine davon führte unmittelbar zum Erfolg. Und trotzdem blieb etwas hängen. Niemand zuckte mit den Schultern. Niemand sagte schlicht: „Geht nicht.“. Es wurde überlegt. Mitgedacht. Weiterverwiesen. Neu angesetzt. Antworten als Beziehungsangebot, nicht als Problembeseitigung.

Der entscheidende Unterschied:

Ja, auch Chattie lässt einen nicht ohne Antwort zurück.
Und ja – diese Antwort ist ebenfalls nicht immer zielführend.

Aber:

Nicht aus Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Optimismus, sondern als Ergebnis einer hochkomplexen Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten. Oder einfacher gesagt: der statistisch wahrscheinlichsten Wortkombination im gegebenen Kontext.

Das wirkt dialogisch – ist aber Funktionalität.

Spanier hingegen antworten, weil sie dialogisch unterwegs sind.

Nicht, weil sie die Lösung schon haben. Sondern weil sie glauben, dass man ihr gemeinsam näherkommt. „Vamos a ver“ – schauen wir mal – ist kein Lückenfüller, sondern ein kulturelles Prinzip.

Und gemeinsames weiterdenken.

Kontext ist kein Zusatz – er ist der Kern

Was mich daran so fasziniert hat:

Der Kontext ist nicht Beiwerk, sondern zentraler Bestandteil des Denkens. Bei Menschen ist das Haltung. Bei KI ist es Rechenbasis. Der Unterschied ist klein formuliert – aber riesig in der Wirkung. Denn der spanische Optimismus ist kein Algorithmus. Er ist gelebte Erfahrung: Irgendwie wird sich ein Weg zeigen.

Und was habe ich daraus gelernt?

Mit einem Schmunzeln – und einer gewissen Klarheit:

Menschen sind mir lieber als jede, noch so gut programmierte, Maschine.

Sorry, Chattie. Du bist eine starke Ergänzung, ein hilfreiches Werkzeug und ein Sparringspartner. Aber du wirst niemals ein Ersatz für Menschen und Menschlichkeit sein.

In diesem Sinne „Hasta luego“!

Petra vom Training-Concepts-Team

P.S.:

Pünktlich zu Heiligabend wurde unsere spanische Gasflasche dann tatsächlich geliefert. Und neben der Versorgung mit Gas haben wir vor allem eines gewonnen: viele Geschichten – und viele Menschen, die wir kennen und schätzen gelernt haben.