Beitragsbild keine Noten?

Warum wir keine Noten geben

„Welche Note habe ich?“

Welche Note habe ich?“ – Diese Frage fällt oft schneller als jede andere.

Und jedes Mal beobachte ich, wie sich mit ihr etwas verschiebt:

Der Blick geht weg vom Lernen, hin zur Bewertung. Weg von der Entwicklung, hin zum Ergebnis. Noten beenden Lernprozesse.

Nicht offiziell – aber in vielen Köpfen.

Denn sobald eine Zahl im Raum steht, passiert etwas sehr Menschliches: Wir ordnen uns ein. „Reicht.“ „Gut genug.“ „War wohl nichts.“

Die Neugier, die eben noch da war, macht häufig Platz für ein inneres Abhaken. Fertig. Weiter. Was uns dabei verloren geht, ist das eigentlich Wertvolle: eine konkrete, detaillierte fachliche Rückmeldung zum Geleisteten.

Noten suggerieren einen Endpunkt des Lernens. Als wäre Entwicklung etwas, das man abschließen könnte wie ein Kapitel in einem Buch. Doch aus der Lernforschung ist klar belegt: Kompetenz entsteht durch Reflexion, durch Ausprobieren, durch Korrigieren – und durch eine differenzierte fachliche Rückmeldung. Genau deshalb verzichten wir auf Noten.

Stattdessen geben wir detaillierte Rückmeldung. Soviel wie gewünscht. Zu Inhalt und Performanz.
Manchmal ist das anstrengender zu lesen oder hören als eine „2+“. Es fordert heraus, genauer hinzuschauen. Aber es hält den Lernprozess in Gang, anstatt ihn abzubrechen.

Und noch etwas wird sichtbar:

Noten erzeugen Abhängigkeit durch Fremdbestimmung.
Wer ständig bewertet wird, richtet seinen Kompass nach außen aus. Was denkt die Trainerin? Reicht das? Bin ich gut genug?

Doch nachhaltiges Lernen beginnt dort, wo Menschen ihren eigenen Maßstab entwickeln.

Das ist der Moment, in dem Lernen erwachsen wird.

Versteht mich nicht falsch (und alle, die bei mir in der Ausbildung waren, können das sicher bestätigen):

Rückmeldung darf klar sein. Sie darf auch unbequem sein. Wertschätzung bedeutet nicht Schonung – sondern ernst genommen zu werden. Oder wie ein Teilnehmer mal so nett über mich formulierte „Die wirft nicht mit Wattebäuchen“. Und Ernsthaftigkeit zeigt sich in der Qualität der Rückmeldung, nicht in der Kürze einer Zahl.

Entwicklung entsteht nicht durch Bewertung – sondern durch Beziehung, Reflexion und Selbstverantwortung.

Und manchmal beginnt ein echter Entwicklungsprozess genau dort, wo keine Note steht.


Petra vom Training-Concepts-Team